10. Mai 2026

Not lehrt beten?

Von Th.-M. Robscheit
This entry is Teil 143 von 143 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser; sie alle kennen Sprichworte: „Ist der Mai kalt und nass – füllt´st dem Bauern Scheuer und Fass“, oder „Not lehrt beten“. Dem ersteren mag man einen hohen Wahrheitswert zusprechen, beim zweiten liegt man da aber falsch! Dass Not beten lehrt ist ein (oft verhängnisvoller) Trugschluss. Steffensky, ein Theologe, vergleicht beten mit schwimmen. Beides muss man lernen. Aber so wie der Moment des Ertrinkens nicht mehr geeignet ist, schwimmen zu lernen, ist akute Not ungeeignet, beten zu lernen. Beten ist ein Gespräch mit Gott und wie im „richtigen“ Leben ist Zuhören dabei der schwierigste Teil. In Ruhe, Stille gelingt das am leichtesten. Wenn es hektisch wird, uns sprichwörtlich oder wörtlich das Wasser bis zum Halse steht, fehlt diese Ruhe. Dann ist es selbst geübten Betern kaum möglich, die leisen Töne Gottes zu hören und eigene Worte zu finden. „Was sollen wir dann beten?“, fragten schon die Zeitgenossen Jesus. Seine Antwort: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir unseren Schuldigern vergeben usw.: das alle Christen weltweit vereinende Gebet: das Vater unser. Manchmal sind das die einzigen oder letzten Worte von Menschen,die dieses Gebet tief verinnerlicht haben und von ihm getragen werden. Wie ist das bei Ihnen? Vielleicht ist der Sonntag für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein guter Anlass, diese Zeilen zu wiederholen und zu beten: Vater unser im Himmel…

 

Erstmals veröffentlicht in der Wochenendausgabe der Thüringer allgemeinen, Regionalausgabe Apolda-Weimar vom 09.05.2026

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