5. Februar 2024

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Von Th.-M. Robscheit
This entry is part 133 of 134 in the series geistliches Wort

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Sie kennen den Kinderreim: erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier… Vielleicht kennen Sie auch die Fortsetzung: & wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast Du Weihnachten verpennt! Als Kinder fanden wir das immer wieder lustig. Jetzt sehe ich das auch ein bisschen nachdenklich. Ich hatte mit einem älteren Herrn zu tun, der zwar nicht Weihnachten, aber den halben Januar verpennt hat. Zweimal im Abstand von wenigen Tagen mit einem Infekt ins Bett geworfen und drei Wochen fast nur geschlafen und gar nicht am sozialen Leben teilgenommen. „Da gibt es irgendwie eine Lücke!“; den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Plötzlich ist Februar. Wahrscheinlich werden Sie dieses Gefühl auch kennen. Letztlich geht es uns ja mit dem ganz normalen Schlaf schon so: man bekommt nichts mit und die Welt dreht sich ohne einen weiter! Wie viel Lebenszeit verplempern wir eigentlich im Schlaf, oder sonstigem Nichtstun? Das ist immens! Das macht schnell Angst! Dabei vergessen wir dann aber, dass dieses „Verpassen“ unser Leben nicht nur überhaupt erst ermöglicht (ohne Schlaf geht es nicht), sondern auch seine Qualität bestimmt. Es ist nicht von ungefähr und gehört aus meiner Sicht zu den bedeutendsten Errungenschaften, die die Welt dem jüdische-christlichen Erbe zu verdanken hat, der freie Tag: „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“ (Bibel, 1. Buch Mose 2,3). Wir Menschen brauchen solche Erholungszeiten: unser Körper zur Stärkung, wenn wir krank oder müde sind; unsere Seele aber um den Reichtum des Lebens wenigstens ansatzweise zu erfassen! Ein Leben ohne Pausen, ohne Feiertage und Nichtstun, das verrinnt! Deswegen wünsche ich Ihnen einen ruhigen Sonntag, betrachten Sie das Flackern des Ofenfeuers oder die ruhig brennende Kerze am Kaffeetisch und lassen die Gedanken schweifen! Apropos Kerze, das fünfte Lichtlein: wenn es jetzt noch brennt, haben Sie Weihnachten tatsächlich verpennt, die Weihnachtszeit ging bis gestern!

 

Die Artikel wurden erstmals in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 2.2.2024

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