7. September 2015

Fatalismus

Von th.-m. robscheit
This entry is part 26 of 107 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist sonnig nur wenige Schäfchenwolken am Himmel, meine Hängematte schaukelt leicht im Wind hin und her. Irgendwo zwitschert eine Amsel und eine Hummel brummt laut durch die Luft. So läßt sich das Leben genießen. Leider ist diese Urlaubsidylle in wenigen Stunden vorbei. Die Pflicht ruft; Arbeit, die sich nicht verschieben läßt und die auch kein anderer übernehmen konnte, ruft mich vorfristig in den Alltag zurück. Spätestens morgen früh fünf Uhr ist der Urlaub zu Ende und ich sitze wieder im Auto. Wahrscheinlich werden die meisten von Ihnen diese Situation kennen und nachvollziehen können, wie das ist, wenn die Ferien oder der Urlaub sich dem Ende neigt. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie mir das als Schüler immer ging. Egal ob Sommer- oder Winterferien, die letzten drei, vier freien Tage konnte ich nicht mehr genießen und oft habe ich schlecht geschlafen, weil ich mir bereits zu viele Gedanken und Sorgen wegen der Schule gemacht habe. „Wie willst Du das bloß schaffen?“, habe ich mich mehr als einmal gefragt, wenn ich an Latein, Russisch oder die deutsche Rechtschreibung dachte. So habe ich mir so manchen schönen Tag selber mies gemacht. Und das alles ohne wirklichen Grund!
Doch irgendwann gab es dann mal den Augenblick, als solche Ängste auch wirklich begründet waren, als nämlich die erste Prüfung an stand, bei der es tatsächlich um ex oder hopp ging: Hebräisch. Mit dieser Sprache bin ich nie wirklich warm geworden und so war ich mir keineswegs sicher, dass ich das Hebraicum bestehen würde; ohne Hebraicum aber könnte ich Theologie nicht weiter studieren und dann auch nicht Pfarrer werden… Damals hatte ich wirklich Anlass, schlecht zu schlafen!
Manche beten besonders in solchen Situationen, ich auch. Da schenkte mit Gott die nötige Gelassenheit, und mir wurde ein Gedanke tröstlich: wie auch immer die Prüfung ausgehen würde, ein Jahr später wäre dieser Ausgang der Prüfung für mich normal und ein Teil meines Lebens, das mir von Gott geschenkt wurde. Ein gewisses Maß an Fatalismus macht mir das Leben leichter: Gott hat einen Plan mit mir, mein Leben hat Sinn und Ziel. Seit dem konnte ich nicht nur allen Prüfungen mit viel größerer Gelassenheit entgegen sehen sondern auch an anderen Wendepunkten des Lebens verzehrte ich mich nicht mehr mit Selbstzweifeln.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und bei allen Entscheidungen, die Sie treffen müssen, das nötige Gottvertrauen, dass er Sie den richtigen Weg leiten wird.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit aus Kapellendorf

PS: Meine Hebräisch-Prüfung habe ich übrigens beim ersten Versuch mit passablem Ergebnis bestanden.

 

Januar 2009

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