22. Januar 2022

Jesus und die Kumpanei der alten weißen Männer

Von Th.-M. Robscheit
This entry is part 121 of 122 in the series geistliches Wort

„Alte weiße Männer“, liebe Leserinnen und Leser, ist eine rassistische und sexistische Beschreibung von Machtstrukturen, die erstaunlicher Weise vor allem von Menschen verwendet wird, die genau gegen Vorurteile dieser Art angehen möchten. Der weitaus größte Teil der älteren Männer ist ganz offensichtlich nicht in der Position, solche Macht auszuüben. Und es ist mehr als nur fragwürdig, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe in Schubladen zu stecken. Doch darum soll es hier gar nicht gehen und ich nutze die Plattitüde der alten weißen Männer jetzt auch: Jesus, über dessen erstes Wunder, die Rettung einer Hochzeitsfeier durch neuen Wein, wir letzte Woche erstaunt waren, wird nun zum „alten weißen Mann“, obwohl beides physisch nicht zutrifft: Ein römischer Offizier hat einen kranken Knecht, dem soll Jesus helfen. Würde er auch und bietet einen Besuch an. Dem Offizier ist das nicht recht: „Ich habe Macht, Du auch; das können wir doch auf dem kurzen Dienstweg lösen!“ Jesus wundert sich, lässt sich aber, wie auch bei dem Weinwunder in Kana letzte Woche, auf die Wünsche ein. Der Knecht wird sofort gesund. Zahlreiche weitere Wunder-Heilungen werden berichtet: manchmal nur ein Wort, manchmal eine Diskussion, manchmal wird Spukte angerührt: immer lässt sich Jesus auf die Kultur seines Gegenübers ein. Damals und auch heute: man muss sich vor Jesus nicht verbiegen. Er nimmt uns mit unseren Ansichten und Vorurteilen ernst. Und das verändert den Menschen: macht ihn gesund an Leib und Seele und baut ganz nebenbei Vorurteile ab.

 

Der Artikel wurde erstmals veröffentlicht in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 22. Januar 2022

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