18. Januar 2023

Überfluß-Momente

Von Th.-M. Robscheit
This entry is part 128 of 128 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

sicherlich hatten Sie in den letzten Wochen mal Gäste oder waren selber zu Besuch. Es würde mich jetzt sehr überraschen, wenn es bei diesen Gelegenheiten nichts zu Essen oder Trinken gegeben hätte. Das gehört einfach dazu & Menschen, die auch schlechte Zeiten erlebt haben tafeln ganz besonders auf. Meine Schwiegeroma Hanni war so ein Mensch. Wenn wir (3 Personen) zum Mittag gekommen sind, gab es schonmal Klöße, Kartoffeln, Nudeln, Rotkraut, Sauerkraut, Rouladen, Eisbein, Kaßler, Gulasch. Und zum Schluß fiel ihr ein, dass sie noch Braten in der Speisekammer vergessen hatte. Die schlimmste Vorstellung für Hanni war, dass es nicht reichen könnte. In so einer Situation war ein Hochzeitspaar in Kana um das Jahr 30: der Wein war alle. Unter den Gästen waren auch Jesus mit seinen Freunden und seine Mutter. Maria konnte sich sofort in die Gastgeber hineinversetzen und nötigte mit mütterlichem Charme ihren Sprößling, durch ein Wunder die Feier zu retten: aus Wasser wurde Wein. Liebe Leserinnen und Leser, es sind sicherlich ganze Regalwände voller Aufsätze geschrieben worden, warum Jesus bei seinem ersten Wunder nicht einen Bettler satt oder einen Kranken gesund gemacht hat, sondern für diesen Überfluß sorgte. Vielleicht, weil wir Menschen solche Überfluß-Momente brauchen, damit wir einen anstrengenden Alltag oder schwierige Zeiten voller Zuversicht meistern und nicht miesepetrig werden. Bei Oma Hanni jedenfalls hat das funktioniert & das wünsche ich Ihnen auch.

 

Der Artikel wurde erstmals unter dem Titel „Überfluß-Momente“ in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 14. Januar 2024 veröffentlicht.

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