10. Mai 2022

Wie lieblich ist der Maien

Von Th.-M. Robscheit
This entry is part 123 of 123 in the series geistliches Wort
Wie lieblich ist der Maien
aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen,
weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen,
die loben Gott mit Freud.
 
 
Liebe Leserinnen und Leser,
 
dieses Lied aus dem Jahr 1606 des evangelischen Pfarrers Behm, gehört (wieder) zu den bekanntesten Frühlingsliedern. Es ist kaum vorstellbar, dass es erst mit dem Gesangbuch von 1950 größere Bekanntheit erlangte. Und es ist für mich immer auf´s Neue erstaunlich, dass die Freude und der Lebensmut, die das Erwachen der Natur in uns auslösen, auch von Menschen vor über 400 Jahren genau so empfunden wurden. Für Behm stand ohne Zweifel fest, dass dieses überbordende Leben im Mai nur ein kleiner Abglanz der großartigen Schöpfung Gottes ist. Dass diese Schöpfung so gefährdet ist, wie wir das heute wissen, war für ihn nicht vorstellbar. Aber klar war durchaus, dass wir Menschen grundsätzlich Verantwortung haben. Dem kann man sich nicht entziehen. Wie gehe ich mit dem Leben, meinem eigenen und dem um michherum, um? Behm war bewußt, dass man auch scheitern kann, so ist die letzte Strophe ein Gebet:
 
Mein Arbeit hilf vollbringen
zu Lob dem Namen dein
und lass mir wohl gelingen,
im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen
von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen
und nicht verwerflich sei.
 
Der Artikel wurde erstmals veröffentlicht in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 08. Mai 2022
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