1. Januar 2021

Jahreslosung 2021: Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Von th.-m. robscheit
This entry is part of 108 in the series geistliches Wort

Gedanken  zur Jahreslosung 2021 von Superintendent Dr. G. Heidbrink

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6,36

Es ist erstaunlich, dass die Bibel uns Gott als einen Vater vorstellt – und zugleich ist sie voll von schlechten Vätern. Von Gott als Vater heißt es, dass er barmherzig sei, mitfühlend und gnädig. Die menschlichen Väter in der Heiligen Schrift tragen hingegen nur wenige positive Eigenschaften.
Was sind die ersten Worte, die ein Vater in der Bibel an eines seiner Kinder richtet?
Vom ersten Vater, Adam, ist nichts überliefert. Erst Generationen später richtet der Glaubensheld Noah das Wort an eines seiner Kinder. Gott hält Noah wegen seiner Gerechtigkeit für geeignet, die ganze Schöpfung zu bewahren. Aber seine Kinder kennen Noah anders. Sie kennen den Säufer, der schwer verkatert zu seinem Jüngsten ruft: „Verflucht sei Kanaan“. Er verflucht damit nicht seinen Sohn, sondern den eigenen Enkel. Privat sehen wir also den Glaubenshelden haltlos und ungerecht.
Als sich später Abraham seinem Sohn Ismael zuwendet, tut er es nur, um ihn vom Hof zu jagen.
Das erste wirkliche Gespräch zwischen Vater und Sohn findet bei Abrahams Gang mit Isaak statt. Die beiden besteigen den Berg Morija, wo ein Engel Abraham hindern muss, Isaak zu töten. Im Folgenden wohnt Abraham im unwirtlichen Beerscheba, während seine Frau mit Isaak nach Hebron zieht. Sie haben nie wieder miteinander gesprochen…
David, als dessen Sohn (d.h. Nachfahre) Jesus gilt, war ein Herrscher, dem die Herzen zugeflogen sind. Aber als Vater hat er eine Bande verwöhnter Prinzen hinterlassen, die sich gegenseitig an die Kehle gingen.
Und im Neuen Testament? Josef hält sich stumm im Hintergrund. Als sein Sohn hat Jesus sich nicht gefühlt. Noch weiter hinten in der Schrift steht die Forderung, für den geistlichen Dienst nur Männer auszuwählen, die ihrem Hause gut vorstehen und wohlerzogene Kinder haben (1Tim 3,4). Das ist eine Vorschrift, die das Kirchenrecht aus guten Gründen nicht aufgenommen hat – denn wir werden damit leben müssen, dass Väter unvollkommen sind, ja, dass sie sich versündigen. Glaubenshelden nach außen, menschlich und fehlerhaft daheim.
Und obwohl das so ist, lebt in jedem Menschenkind das sichere Empfinden, wie ein guter Vater zu sein hätte. Verantwortungsvoll, gütig, mitfühlend, gerecht, barmherzig. Die Sehnsucht nach so einem Vater, allen irdischen Vorbildern zum Trotz öffnet uns den Weg zu Gott. Auf diesen Vater, von dem er selbst seine Kraft bezieht, weist uns Jesus hin. Die Erfahrung seiner Barmherzigkeit heilt Wunden und hilft zum Leben. Sie öffnet uns dafür, sich von anderen Menschen und ihrer Lebenssituation anrühren zu lassen. Gott schenke, dass Sie alle in diesem Jahr Erfahrungen von Barmherzigkeit machen werden!

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