6. September 2015

Neues wächst auf, erkennt ihr´s denn nicht?

Von th.-m. robscheit
This entry is part 19 of 107 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

ich muss mich bei Ihnen entschuldigen: fast wäre es passiert, dass Sie hier auf einen weißen Fleck starren. Ich hatte Sie (beinahe) vergessen. Vielleicht interessiert Sie, wie das passiert ist: ich hatte einfach zu viel um die Ohren und so habe ich das „geistliche Wort“ von einem Tag zum anderen verschoben, es ist immer wieder etwas anderes dazwischen gekommen. Ein Traugespräch, Anmeldung einer Taufe und der Besuch bei den Eltern des Täuflings, ein junger Mann, der wieder in die Kirche eintreten möchte und sogar die Konfirmation nachholen will.
„Sag, mal, taufst Du denn nur noch?“, fragte mich dann meine Frau beim Essen. „Andauernd sind Taufgespräche.“ Ich habe dann nachgezählt, tatsächlich sind im Frühjahr bei uns im Kirchspiel schon 10 Taufen gewesen, drei Kinder werden an diesem Wochenende getauft, dazu eine Hochzeit!
Warum ich Ihnen das schreibe? Weil es mich selber verblüfft hat. Mir ist unsere Jahreslosung eingefallen: „Neues wächst auf, erkennt ihr´s denn nicht?“ Ja, oft erkennen wir das wachsende Neue nicht. Woran mag das wohl liegen, dass wir oft nur das Schlechte wahrnehmen? Es gibt überall Beispiele dafür, bleiben wir bei unserer Kirche! Landauf, landab fürchten alle, dass in wenigen Jahren unsere Gemeinden zusammenbrechen werden, weil sie eine kritische Zahl an Gemeindegliedern unterschreiten. Wie ein schwerer Staub legt sich die Trübsinnigkeit über uns. Wir sehen oft das Wachsende nicht, das Neue aber wollen wir nicht wahrhaben!

Wir Menschen suchen Geborgenheit, Vertrautes. Alles soll so bleiben, wie wir das kennen. Nun ist es auf dieser Welt aber so, dass alles in Veränderung ist, „alles fließt“, haben schon die alten Griechen gesagt und damit die permanente Veränderung unseres Lebens, unseres Körpers, ja der ganzen Welt beschrieben. Immer Veränderung, uns Menschen kann das Angst machen und manch einer klammert sich so verzweifelt an das Altbewährte und Vertraute, das ihm doch durch die Finger gleitet, dass er das Neue nicht erkennen kann.
Bleiben wir bei den Taufen im Kirchspiel Kapellendorf: fast automatisch denke ich dann bekümmert, dass diese Kinder, bestimmt alle irgendwann hier wegziehen werden. Und die Erfahrung der letzten Jahre gibt mir ja auch Recht! Und schon sieht man alles wieder negativ, klammert an alte Gemeindebilder. Aber: Neues wächst! Es ändert sich. Sicherlich werden viele der Kinder, die heute getauft werden, später nicht hier wohnen, sondern irgendwo auf Gottes weiter Welt. Aber das bedeutet doch nicht, dass unsere Gemeinden deswegen nicht lebendig und lebensfähig wären! Wieviele kommen immer wieder zurück, wenn sie Kirche und geistliche Begleitung brauchen! Wieviele, die in anderen Gegenden zum Glauben fanden, können jetzt unser Leben hier bereichern!
Neues wächst; nicht das was schon immer war! Bleiben Sie neu-gierig auf die Veränderungen, die Gott für Sie bereithält!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit, Kapellendorf

Juli 2007

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